Nicholas packt aus.

«Lebenskrisen sollten kein Tabu sein. Es ist wichtig, am Arbeitsplatz über psychische Gesundheit zu sprechen.»

Nicholas (31)

Nicholas packt aus.

Ich fühlte mich wie in einem Loch, aus dem ich nicht herauskam. Häufig müde, niedergeschlagen und frustriert. Bereits Kleinigkeiten konnten dafür sorgen, dass ich die Nerven verlor und wütend wurde. Meine Frau und ich hatten deshalb teilweise Streit, was die Abwärtsspirale verstärkte.

In dieses Loch fiel ich 2020. Gemeinsam mit einem Freund gründete ich 2016 die Firma NIKIN und schrieb nebenbei meine Masterarbeit. Ich hatte so viel zu tun, dass mir oft nichts anderes übrig blieb, als morgens um fünf Uhr aufzustehen und bis 22 Uhr zu arbeiten. Während vier Jahren.

Eines Tages sagte meine Frau, dass es so nicht weitergehen könne. Sie hatte recht. Ich musste mir eingestehen, dass ich nahe an einem Burnout war.

Nicholas packt an.

Ich beschloss, etwas gegen meine Erschöpfung zu unternehmen. Ich stellte zwei neue Teamleiter an, die mir Arbeit abnahmen. Das war zwar eine erhebliche finanzielle Verpflichtung, aber der Entscheid zahlte sich für das Unternehmen und meine Gesundheit aus. Ich nahm mir Zeit für Sport und Entspannung und war weniger online. So fand ich langsam und schrittweise meinen Weg aus der Erschöpfung.

Nicholas packt das.

Heute achte ich gut auf meine Work-Life-Balance. Wenn ich spüre, dass ich herunterfahren muss, mache ich Feierabend – ohne schlechtes Gewissen. Erholt fällt mir auch die Arbeit wieder leichter.

Zudem finde ich es wichtig, über Belastung, Überforderung und psychische Probleme zu sprechen. Ob privat oder am Arbeitsplatz. Schliesslich ist niemand davor gefeit.

Ich empfehle, dass Betroffene das Gespräch zu  ihrem Arbeitgeber suchen, um Unterstützung zu erhalten und gemeinsam gute Lösungen zu finden. Spüren Arbeitgebende, dass es einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter nicht gut geht, sollten auch sie die betreffende Person ansprechen und Unterstützung anbieten.

Nicholas packt aus.

Matthias Haag

Eingliederungsberater Invalidenversicherung SVA Aargau

«Bei einer hohen Arbeitsbelastung ist es wichtig, Massnahmen zu ergreifen, bevor du krank wirst.»

Wissen zum Einpacken.

  • Nicholas hat es aus eigener Kraft geschafft, seine Lebensumstände so zu verändern, dass es ihm heute wieder gut geht. Wenn du merkst, dass deine Überlastung zu gross wird und du nicht aus eigener Kraft entlasten kannst, solltest du professionelle Unterstützung holen.
  • Hohe Ziele erreichen zu wollen, kann befriedigend sein, aber auch in einer Erschöpfung enden. Meistens bemerken Menschen in deinem Umfeld wie Partnerinnen, Arbeitskollegen oder Vorgesetzte zuerst, dass du am Limit bist. Höre ihnen zu, nimm sie und dich selber ernst.
  • Es ist schwierig, sich einzugestehen, dass man erschöpft ist. Du bist damit nicht alleine. Viele Menschen sind überfordert und stossen an ihre Belastungsgrenzen. Teile deine Gefühle mit Menschen, die dir wichtig sind. Das ist ein erster Schritt zur Entlastung.