«Die Gesellschaft sollte offener über Fehlgeburten sprechen. Das würde vielen Betroffenen helfen.»
Laura packt aus.
Im August 2024 verlor ich mein Baby in der neunten Schwangerschaftswoche. Die Trauer um mein ungeborenes Kind und die Herausforderungen im Alltag als berufstätige Mutter eines zweijährigen Jungen wurden nach meiner Fehlgeburt so gross, dass ich eines Morgens nicht mehr aus dem Bett kam. Ich benötigte dringend professionelle Hilfe.
Laura packt an.
Zuerst musste ich meine Schlaflosigkeit in den Griff bekommen. Schritt eins war deshalb eine Schlaftherapie. Als es mir etwas besser ging, startete ich eine Psychotherapie. Dort lernte ich, meinen Kindsverlust zu akzeptieren und meinen Alltag zu verlangsamen. Weniger zu arbeiten, zu planen und zu erledigen. Zudem besuchte ich einen Gesprächstreff von Andrea Keller in Baden für Frauen nach Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft. Meine Erfahrung teilte ich auch mit Freunden, Familie und Mitarbeitenden. Schön war, dass ich viel Verständnis und Unterstützung erhielt. Es war eindrücklich zu erfahren, wie viele Frauen in meinem Umfeld ebenfalls eine Fehlgeburt durchmachen mussten. Ich fühlte mich mit diesem Thema nicht mehr so allein.
Laura packt das.
Zwar traure ich heute noch um mein verlorenes Kind. Aber der Schmerz lähmt mich nicht mehr. Das Erlebnis gehört zu meinem Leben dazu. Auch in meinem Alltag konnte ich einiges verbessern. Beispielsweise habe ich mein Arbeitspensum von 60 auf 50 Prozent reduziert und gehe nach wie vor in die Psychotherapie.
PD Dr. med. Joram Ronel
Chefarzt Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Klinik Barmelweid
«Trauer und Depression sind nicht das Gleiche. Die Depression ist eine Erkrankung, bei der man oft nicht viel fühlt. Trauern ist zwar intensiv, aber eine Chance auf einen Neubeginn.»
Wissen zum Einpacken.
- Trauer ist eine sehr menschliche, aber lebendige Reaktion auf Verluste, Trennungen oder andere einschneidende Veränderungen. In tiefer Trauer empfinden wir das Leben manchmal als sinn- und wertlos. Doch sie ist eine notwendige Fähigkeit, um einen Neubeginn starten zu können. Ist die Trauer nach einigen Monaten immer noch so stark wie am Anfang, solltest du dir professionelle Hilfe suchen.
- Fehlgeburten sind leider ein sehr häufiges Phänomen. Rund 10 bis 15 Prozent der Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt. Am höchsten ist das Risiko in den ersten 12 Schwangerschaftswochen. Bei wiederholten Fehlgeburten solltest du dich ärztlich untersuchen lassen, um Risikofaktoren zu identifizieren und Ursachen zu behandeln.
- Laura erzählte, wie hilfreich das Gruppengespräch war. Wir Menschen leben fast immer in Gruppen. Zum Beispiel in der Familie, bei der Arbeit oder in anderen sozialen Umgebungen. Es gibt starke Hinweise darauf, dass therapeutische Veränderungen in der Gruppe tiefer greifen als im Zweier-Setting zwischen dem Patienten und der Therapeutin. In der Schweiz werden ambulante Gruppentherapien auch aufgrund der Tarifsysteme allerdings selten angeboten.