Jennifer packt aus.

«Wer in einer Krise steckt, darf um Hilfe bitten und Unterstützung annehmen.»

Jennifer (31)

Jennifer packt aus.

Als ich 17 Jahre alt war, nahm sich meine Mutter das Leben. Ich wusste nicht, wie ich mit diesem grossen Verlust umgehen konnte und verdrängte unbewusst meine Trauer. Ich ging regelmässig an Partys. So versuchte ich, die innere Leere zu füllen und mich abzulenken.

Doch ein halbes Jahr später holte mich der Tod meiner Mutter ein. Ich fühlte mich zunehmend depressiver. Leer und ohne Freude. Ich kam an einen Punkt, an dem ich nicht mehr leben wollte.

Jennifer packt an.

Gute Gründe hielten mich aber von einem Suizid ab. Die Verbindung zu meinem Vater und das Wissen um den Schmerz, den ein Selbstmord bei meinen Angehörigen verursachen würde. Zudem glaubte ich tief in meinem Innern, dass das Leben schön sein kann.

Ich beschloss, professionelle Hilfe anzunehmen. Für rund vier Monate ging ich in eine psychiatrische Klinik. Dort konnte ich zum ersten Mal Gefühle zulassen. Weinen. Wütend sein. Die Therapien und der Abstand zum Alltag und meinem Umfeld halfen mir, wieder resilienter zu werden.

Am Ende meines Klinikaufenthalts erhielt ich Unterstützung von der Invalidenversicherung Baselland (IV). Diese ermöglichte mir die Ausbildung zur Kauffrau, weil ich trotz grosser Bemühungen keine Lehrstelle fand. Dank der IV erhielt ich wieder eine Zukunftsperspektive. Und dass mein Berater an meinen Erfolg glaubte, gab mir zusätzliche Motivation und Hoffnung.

Jennifer packt das.

Heute geniesse ich mein Leben und arbeite als HR-Verantwortliche. Die Arbeit mit und für Menschen macht mir Freude. Ich fühle, dass ich mit beiden Beinen im Leben stehe – auch wenn die Depression manchmal zurückkehrt und ich mich sehr niedergeschlagen fühle.

Meine Mutter vermisse ich oft. Das ist ein gutes Zeichen, weil ich meine Gefühle immer besser wahrnehme. Trauer und Wut zuzulassen, ist nämlich gesund. Solange ich es immer wieder schaffe, mich dem Leben positiv zuzuwenden.

Jennifer packt aus.

Vera Labay

Leitende Psychologin Klinik Barmelweid

«Es ist wichtig, professionelle Unterstützung anzunehmen, auch wenn du es nicht gewohnt bist, um Hilfe zu bitten»

Wissen zum Einpacken.

  • Gefühle der Trauer sind normal. Ignorierst oder verdrängst du Trauer, kann das krank machen. Spürst du häufig innere Leere, lass zu, dass Expertinnen dir helfen. Sie unterstützen dich dabei, deine Gefühle anzunehmen und sie als etwas Wertvolles zu betrachten, aus dem du neue Kraft schöpfen kannst.
  • In manchen Lebenssituationen ist es am sinnvollsten, sich in eine psychosomatische oder psychiatrische Klinik zu begeben. Das ist kein Grund, sich zu schämen, sondern ein mutiger Schritt. Du erhältst in einem professionellen Rahmen Zeit, um dich mit dir selbst und deinen Erfahrungen auseinanderzusetzen und dabei wieder stabiler zu werden.
  • Wenn du eine Lebenskrise überstanden hast, kann es sein, dass eines Tages wieder schwierige Phasen kommen. Erinnere dich dann daran, dass es sich lohnt, Schwierigkeiten frühzeitig anzupacken. Gib nicht auf!