Chris packt aus.

«Im Nachhinein würde ich professionelle Unterstützung annehmen und früher über meine Situation sprechen.»

Chris (37)

Chris packt aus.

Zu viel gearbeitet, zu wenig Zeit für die Familie, zwei Jobs in kurzer Zeit verloren. Zu viel aufs Mal eben. Das führte bei mir zu einer ersten grossen Krise. Ich fühlte ich mich häufig dünnhäutig und gereizt und verlor häufig die Geduld. Es plagten mich Erschöpfung, Selbstzweifel und Existenzängste. Mir ging es psychisch immer schlechter. Um mich abzulenken, begann ich den Spielplatz in unsrem Wohnquartier umzubauen. Eine schlechte Idee, denn dabei verletzte ich mir wieder den Rücken und das Knie.

Als es nach längerer Zeit gesundheitlich wieder bergauf ging, verspürte ich den Drang, mich im Bereich Content und Marketing selbstständig zu machen. Rasch bekam ich erste Aufträge und ich schöpfte neue Hoffnung. Doch dann erlebte ich einen neuen Tiefschlag: Ich fand heraus, dass mich mein Geschäftspartner hinterging. Ich musste die Situation mit einem Anwalt klären, was mich erneut viel Energie kostete.

Chris packt an.

Ich musste handeln. Mir wurde klar, dass ich beruflich Unterstützung benötigte und stellte einen Mitarbeiter an. Gemeinsam etablierten wir ein Arbeitsmodell, das uns erlaubte, Beruf- und Privatleben besser zu vereinbaren: Wir arbeiten von überall, 35 Stunden pro Woche und vertreten uns gegenseitig in den Ferien. Dies entlastete mich enorm. In meiner Freizeit machte ich regelmässig Atemübungen und Meditationen. Durch Achtsamkeitsübungen lernte ich meine emotionalen Reaktionen besser zu kontrollieren.

Chris packt das.

Heute gehe ich achtsam mit meiner Zeit und Energie um und höre auf meinen Körper. Wenn ich eine Pause brauche, plane ich diese auch ein. In der Freizeit, schalte ich das Handy regelmässig aus. Rückblickend empfehle ich Menschen in ähnlichen Situationen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist ein Irrglaube zu denken, dass man einen Haufen Probleme selber in den Griff bekommt. Besser einmal zu früh um Unterstützung bitten als zu spät.

Chris packt aus.

Vera Labay

Leitende Psychologin Klinik Barmelweid

«Körper und Psyche beeinflussen sich, deshalb können körperliche Beschwerden ein Anzeichen für psychische Belastungen sein.»

Wissen zum Einpacken.

  • Chris ist mit seiner Geschichte kein Einzelfall. Häufig geraten mehrere Lebensbereiche auf einmal aus der Balance, was rasch zu einer grossen psychischen Belastung führen kann. Chris hat durch eigene Initiative und Veränderungen einen Weg aus seiner Krise gefunden. Das ist nicht selbstverständlich.
  • Wer sich psychisch stark belastet fühlt, sollte unbedingt professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Verständnis, Anstösse von aussen sowie die Auseinandersetzung mit sich selbst, können helfen, Probleme zu lösen.
  • Auch wenn Krisen als sehr belastend erlebt werden, können sie eine Chance oder gar den Beginn eines Neuanfangs sein.